Tom Flieger on tour

Der Weg ist das Ziel.

Kairo (Ägypten)

Kaum zu glauben, dass Kairo bereits mein letzter Urlaub für dieses Jahr sein sollte… hatte ich 2016 überhaupt schon Urlaub? Zeit und Erinnerungen verfliegen, ich werde alt.

Gewohnt zuverlässig begann meine Reise. Von mir unbemerkt hatte sich auf der Ringbahn eine Baustelle eingenistet, also führte mich meine Anreise nach Tegel diesmal über den Hauptbahnhof.

In Tegel angekommen besuchte ich – da mein Flieger noch nicht eingetroffen war – in der Zwischenzeit mal wieder den Namenspatron von TXL, Otto Lilienthal.

Den Rest der Zeit verbrachte ich wie üblich in der Lufthansa Senator Lounge. Auf das hundertzweiundzwölfzigste Bild des Buffets verzichte ich.

Die altbewährte Anzeigetafel in Tegel neigt sich scheinbar so langsam auch ihrem Lebensende zu, wenn bereits Zeilen komplett defekt sind. Schade.

Aegean A320 SX-DGN traf als Flug A3 853 TXL-ATH ein und sollte mich zunächst nach Athen bringen. Erfreulicherweise blieb mein Nebensitz am Notausgang frei. Beinfreiheit gab es dort auch genug. Mit gut einer halben Stunde Verspätung ging es los gen Süden. Flugzeig: 2:28 Stunden.

Berlin von oben ist doch immer wieder toll.

Das Bordessen war eher mittelprächtig, aber es gab in den Lounges genügend Gelegenheiten zum satt essen.

In einer zähen Nebelsuppe setzten wir zur Landung an.

Mein Zwischenstop war großzügig bemessen. Da es bei meinem letzten Zwischenstop in Athen zu einem Besuch der Akropolis nur aus der Ferne gereicht hat, startete ich trotz Regen einen neuen Versuch. Mit dem Bus X95 ging es zunächst zum Syntagma-Platz und dann zu Fuß zur Akropolis. In der Stadt angekommen hatte sich das Wetter gebessert, sodass ich trocken blieb.

Oben angekommen stand ich vor verschlossenen Toren. Die Öffnungszeiten waren mit Zettelchen überklebt, die Akropolis schloss bereits 3 Stunden früher als üblich. Athen, du kannst mich mal 🙂 Dann eben wie beim letzten Mal zumindest ein Foto aus der Nähe und dann zurück zum Flughafen, auch wenn mir mein Hintern noch von der Busfahrt weh tat. Dann esse ich den Griechen eben die Lounges leer.

Die Lufthansa Lounge war, wie der halbe Duty Free Bereich, wegen Umbau geschlossen. Dann eben erstmal in die Aegean Lounge. Das Angebot war wie üblich.

Da mein Flug von den A-Gates abflog, konnte ich anschließend noch die Swissport Lounge testen. Klein aber durchaus nett, das Angebot war sogar besser als bei Aegean. Außerdem waren die Räumlichkeiten nicht überfüllt und es herrschte bereits weihnachtliche Stimmung. Tagsüber hätte man sogar einen netten Ausblick aufs Vorfeld. Nachts sah man leider nicht sehr viel.

Aegean A320 SX-DGN wurde nun als Flug A3 930 ATH-CAI bereitgestellt. Die Maschine kannte ich bereits vom letzten Flug. Außerdem hatte ich wieder denselben Sitzplatz und einen freien Nebensitz. Die anderen Fluggäste veranstalteten ein ziemliches Chaos mit ihrem Handgepäck. Die Flugbegleiter bewahrten vorbildlich Ruhe.

Für den kurzen Flug von 1:47 Stunden gab es eine kleine Lunchbox. Das Essen schmeckte sogar besser als das letzte, doll war es trotzdem nicht.

In Kairo angekommen wurden bei der Einreise erstmal zwei Stempel aus Kolumbien in meinem Pass überklebt. Einerseits gut, weil platzsparend, andererseits schlecht, denn Stempel sammeln ist inzwischen so etwas wie ein Sekundärhobby von mir geworden. Zum Glück gibt es noch weitere kolumbianische Stempel in meinem Pass.

Am Ausgang wartete bereits der Fahrer meiner Unterkunft auf mich und brachte mich zügig zu meiner Bleibe. Auf dem Weg wurden von brennenden Autoreifen als Warnbeleuchtung auf der Straße sowie abenteuerlichen Buckelpisten einiges geboten. Meine Unterkunft war durchaus nett.

Bei dieser Aussicht macht das Frühstücken doch gleich nochmal soviel Spaß.

Nachdem ich mich gestärkt hatte, machte ich mich auf in die Innenstadt von Kairo. Bereits zu diesem Zeitpunkt empfand ich das ständige Ansprechen mit dem Hintergedanken Bakschisch als störend. Relativ schnell gewöhnte ich mir an, die Leute komplett zu ignorieren. Als “Oase der Ruhe” gönnte ich mir einen Uber zum Transfer. Der erste Fahrer lehnte es ab mich zu meinem gewünschten Ziel zu fahren – nachdem ich bereits im Auto saß. Dann eben Fahrt stornieren und nächsten Fahrer buchen, der mich auch zu meinem gewünschten ersten Stop, dem Ägyptischen Museum, brachte. Kein Verhandeln über den Preis, kein nerviges Verhalten. Selten habe ich dies so zu schätzen gewusst wie in Ägypten.

Das Ägyptische Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier kann man durchaus einige Stunden verweilen. Es gibt unzählige Exponate, meist hinter spiegelndem, fotografie-unfreundlichem Glas, aber nicht ausschließlich.

Anschließend ließ ich mich treiben und bemühte mich, die lästigen Ansprachen gefühlt alle 10 Sekunden zu ignorieren, ohne mich aufzuregen. Schrecklich! Wie soll man da die Atmosphäre der Stadt genießen?

Zurück in meiner Unterkunft (dank Uber konnte ich wieder etwas entspannen) begann man, mir dort erneut Touren aufschwatzen zu wollen. Als dann auch noch der Schlagbohrer pünktlich zum Beginn der Sound and Light Show herausgeholt wurde, verzog ich mich auf mein Zimmer und verfolgte die Show von dort (Renovierungsarbeiten in allen Ehren, aber muss das abends sein? Der Presslufthammer gegen 3 Uhr nachts bei meiner Ankunft hätte mir eine Warnung sein sollen). Die Beleuchtung war durchaus nett anzusehen, die Show insgesamt… naja.

Bereits kurz nach Öffnung ging es am nächsten Morgen dann auch direkt zu dem keine 5 Minuten entfernten Pyramidenkomplex von Gizeh…

… und auch in die Cheops-Pyramide. Ein schweißtreibendes Unterfangen. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie die Luft später am Tag gewesen wäre, wenn bereits dutzende Besucher vor mir den Sauerstoff verbraucht hätten.

Kaum draußen, schon strömten Schulklassen aufs Gelände. Perfektes Timing!

Bereits vor meiner Cheops-Tour hatte Mohammad recht penetrant versucht, mich zu einer Tour mit seinem Kamel zu überreden. Als ich wieder aus der Pyramide gekrochen kam und bereits reflexartig sämtliche Anwerbeversuche abschmetterte (inklusive einem Polizisten, der mich trotz Verbot gegen etwas Bakschisch einen oder auch vierzig Meter auf die Pyramiden klettern lassen wollte), sah ich nach dem vierten “nein”, dass es sich um denselben Mohammad handelte, den ich bereits zuvor vertröstet hatte. Nun gut, eine Kamel-Tour hatte ich mir ohnehin vorgenommen, nachdem wir um den Preis gefeilscht hatten, ging es auf Tour. Die wurde dann natürlich “zufällig” länger als vereinbart, was auch in einem höheren Preis resultierte, insgesamt habe ich mich aber wohl dennoch ganz gut geschlagen. Und Spaß gemacht hat es ja auch.

Am nächsten Tag war es Zeit für die Rückreise. Leider kam ich zu früh am Flughafen an. Erst drei Stunden vor Abflug wurde man in den Sicherheitsbereich des Flughafens gelassen, hätte ich mir ja denken können. Die Aufenthaltsqualität ist am CAI bescheiden, dennoch ließ es sich schon aushalten.

Zwei der eigentlich 24 Stunden geöffneten Lounges waren geschlossen. Übrig blieb nur die Egyptair Almeisan Lounge. Spärliches Angebot, aber angenehmer, als am Gate.

Aegean A320 SX-DGY führte schließlich den 2:02 Stunden dauernden Flug A3 931 CAI-ATH durch. Mein Nebensitz am Notausgang blieb wieder frei.

Aufgrund der Erfahrungen der vorherigen Flüge hatte ich mir rechtzeitig ein Spezialessen “Vegan” bestellt. Als Frühstück gab es dann ein Gemüserösti und eine Frühlingsrolle mit Kichererbsenfüllung sowie einen Feigen-Mandel-Kakao-Riegel. Joa… naja… vegan zum Frühstück muss wohl auch nicht unbedingt sein.

Zurück in Athen wartete ich die Zeit bis zu meinem Anschlussflug erneut in der Aegean Lounge. Morgens steppt dort der Bär 🙂

Zurück nach Berlin ging es in 3:06 Stunden mit Aegean A320 SX-DVI als Flug A3 852. Und erneut konnte ich mich über einen freien Nebensitz am Notausgang freuen.

Erneut hatte ich ein Spezialessen bestellt, diesmal “Muslimisch”. Meine Köfte mit Reis waren durchaus schmackhaft. Ich werde wohl bei meinen nächsten Flügen auch bei anderen Fluggesellschaften einfach mal ein paar Spezialessen durchprobieren. Wird schon nicht so schlimm sein.

Fazit:

Ägypten hat touristisch einiges zu bieten. Die Pyramiden haben mir gut gefallen. Für mich gehört jedoch zu einem nicht unerheblichem Teil auch das Flair und die Atmosphäre des Landes und der Menschen zum Urlaub dazu. Bei allem Verständnis für die derzeitige Lage in Ägypten mit den ausbleibenden Touristen, wenn man alle paar Sekunden angesprochen wird um an Bakschisch zu kommen vergeht einem de facto die Lust auf einen Folgebesuch. Sicher wusste ich das vorher und ein Stück weit gehört das ggf. auch zur dortigen Mentalität, als Individualreisender ist das jedoch nochmal ein Stück krasser, da man zwischen den Stationen nicht im “geschützten” Gruppentransportmittel sitzt, von morgens bis abends den Ansprachen von jung und alt ausgeliefert ist und aufpassen muss, nicht von vorne bis hinten abgezockt zu werden.

Auch wenn mir der Aufenthalt touristisch gut gefallen hat, Freunde werden Ägypten und ich nicht.

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